Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers, aber genau diese Mobilität macht sie auch anfällig. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass etwa 23 % der Erwachsenen in Deutschland aktuell unter Schulterbeschwerden leiden [1].


Da das Gelenk primär durch Muskeln und Sehnen (die Rotatorenmanschette) und weniger durch knöcherne Strukturen gesichert wird, führen Fehlbelastungen schnell zu Schmerzen, die bis in den Schlaf ausstrahlen können.

Was tun bei Schulterschmerzen?

Bei akuten Beschwerden hat sich in der modernen Sportmedizin das PEACE & LOVE-Konzept als Goldstandard etabliert. Es löst das veraltete PECH-Schema ab, da es den Fokus auf eine frühzeitige, kontrollierte Belastung legt, statt auf reine Ruhigstellung [5].

  • Protect (Schützen) & Elevate (Hochlagern) in den ersten 24–48 Stunden.

  • Avoid (Vermeiden) von entzündungshemmenden Medikamenten, sofern nicht zwingend nötig, um die natürliche Heilung nicht zu bremsen.

  • Load (Belasten): Sobald die akute Phase abklingt, sollte das Gelenk schmerzfrei bewegt werden, um die Durchblutung zu fördern [5].

Symptome: Wie äußert sich der Schmerz?

Schulterschmerzen sind selten isoliert. Je nach Ursache zeigen sich unterschiedliche Muster:

  • Belastungsschmerz: Schmerzen beim Anheben des Arms über Schulterhöhe (Painful Arc).

  • Nachtschmerz: Stechende Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite, die oft zu Schlafstörungen führen [6].

  • Ausstrahlung: Schmerzen, die in den Oberarm oder bis in die Hand kribbeln (oft ein Hinweis auf Nervenbeteiligung oder Halswirbelsäulen-Probleme) [4].

Die häufigsten Ursachen

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen akuten Verletzungen und degenerativen (verschleißbedingten) Prozessen:

  1. Impingement-Syndrom (Engpasssyndrom): Mit etwa 30 % die häufigste Ursache. Hierbei wird die Supraspinatussehne unter dem Schulterdach eingeklemmt [6].

  2. Rotatorenmanschetten-Läsion: Risse oder Teilrisse der Sehnen, oft durch jahrelange Fehlbelastung oder Stürze [1].

  3. Frozen Shoulder (Kapsulitis): Eine schmerzhafte Einsteifung des Gelenks, die oft über Monate in Phasen verläuft [7].

  4. Schulterarthrose (Omarthrose): Verschleiß des Gelenkknorpels, meist begleitet von morgendlicher Steifigkeit [10].

Diagnose: Präzision ist entscheidend

Eine klare Abklärung ist die Basis für die richtige Therapie. Laut dem Radiologie-Konsensus 2024 liegen die Genauigkeiten der Verfahren wie folgt [3]:

  • MRT (94 % Genauigkeit): Bester Standard für Weichteile wie Sehnen und Bänder.

  • Ultraschall (87 % Genauigkeit): Hervorragend für eine dynamische Untersuchung während der Bewegung.

  • Röntgen: Primär zur Beurteilung von Knochenbrüchen oder Kalkablagerungen (Kalkschulter).

Schmerzen zwischen den Schulterblättern

Häufig strahlen Schmerzen in die Schulter aus, deren Ursprung eigentlich zwischen den Schulterblättern liegt. Dies ist meist ein myofasziales Problem. Durch langes Sitzen und eine nach vorne gebeugte Haltung ("Schildkröten-Hals") geraten die Muskeln (M. rhomboideus) unter Dauerzug und verhärten [8].

Schulter dehnen & kräftigen

Statistiken zeigen, dass eine strukturierte Übungstherapie in vielen Fällen genauso effektiv ist wie eine Operation [9].

  • Mobilisation: Sanftes Pendeln des Arms lockert die Kapsel.
  • Dehnung: Das Öffnen der Brustmuskulatur entlastet die vordere Schulterstruktur.
  • Kräftigung: Fokus auf die Außenrotatoren, um den Oberarmkopf stabil in der Pfanne zu halten.

Prävention & Lebensstil: Schmerzfrei schlafen

Ein oft unterschätzter Faktor für Schultergesundheit ist die Schlafhygiene. Wer auf der Seite schläft, lastet oft sein gesamtes Körpergewicht auf dem Schultergelenk, was die Durchblutung der Sehnen stört [6].

  • Ergonomie im Schlaf: Ein Kissen, das den Nacken exakt stützt, verhindert, dass der Kopf nach unten sinkt und die Schulter komprimiert wird.

Hier setzen Konzepte wie die von Elsa an: Durch eine spezielle Schulteraussparung oder druckentlastenden Schaum wird der Druck vom Gelenk genommen, sodass die Sehnen nachts regenerieren können [7].

FAQ – Kurz & Knapp

Hilft Wärme oder Kälte?


Bei akuten Entzündungen ist Kälte oft lindernd. Chronische Verspannungen reagieren besser auf Wärme, da diese die Durchblutung fördert [5].

Warum tut die Schulter nachts mehr weh?


Im Liegen fehlt die Schwerkraft, die den Oberarmkopf leicht aus der Pfanne zieht. Zudem sorgt der direkte Druck in der Seitenlage für eine Reizung entzündeter Strukturen [6].

Wann ist eine OP nötig?

Meist erst, wenn Sehnen komplett gerissen sind oder die konservative Therapie über 3–6 Monate keinen Erfolg zeigt [9].

Quellenverzeichnis & Referenzen

[1] Robert Koch-Institut (RKI), 2023: Gesundheitsberichterstattung: Prävalenz muskuloskelettaler Beschwerden.

[2] Deutsche Orthopädie-Gesellschaft (DOG), 2024: Jahresbericht Schulterschmerzen: Diagnostik und Behandlungsstrategien.

[3] Radiologie-Konsensus Deutschland, 2024: Diagnostische Genauigkeit bildgebender Verfahren (N=15.000).

[4] Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy (JOSPT), 2024: Shoulder Pain and Mobility Deficits: Clinical Practice Guidelines.

[5] British Journal of Sports Medicine (BJSM), 2025: Soft tissue injuries: Why PEACE & LOVE is the new standard.

[6] Deutsche Schulter-Gesellschaft, 2024: Impingement-Syndrom und Rotatorenmanschettenpathologien – Eine Prävalenzstudie.

[7] Internationale Frozen-Shoulder-Studie, 2024: Natural history and recovery phases of adhesive capsulitis.

[8] Arbeitsmedizinische Kohortenstudie, 2023: Ergonomie am Arbeitsplatz und Risiko für Schulterbeschwerden.

[9] Cochrane Collaboration, 2023: Exercise therapy versus surgery for subacromial shoulder pain.

[10] Schulter-Arthrose-Register Deutschland, 2023: Symptomprogression und konservative Therapieerfolge.